Vorwort

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

S004_Foto: Herbert K. Haas

das Geschäftsjahr 2011 war für den Talanx-Konzern ein Jahr mit Licht und Schatten, dennoch lautet das Fazit insgesamt „sehr zufriedenstellend“: Einerseits sah sich der Konzern einer sehr hohen Schadenbelastung ausgesetzt, andererseits konnte er im Berichtsjahr eines der besten Ergebnisse seiner Geschichte erzielen.

Das Umfeld für die Assekuranz insgesamt war 2011 alles andere als positiv: Nie zuvor gab es eine solche Häufung schadenträchtiger Naturkatastrophen, ganz zu schweigen von dem unvorstellbaren menschlichen Leid, das sie mit sich brachten. Nur einmal zuvor musste die Assekuranz höhere Belastungen aus extremen Naturereignissen innerhalb eines Jahres schultern. Von dieser Entwicklung war auch unser Konzern mit einem Großschadenaufwand von über einer Milliarde Euro betroffen. Belastungen entstanden aber auch durch interne Projekte: So begannen wir 2011 in unserem deutschen Firmen- und Privatkundengeschäft in den Aufbau kundenorientierter, effizienter Strukturen zu investieren. Dies soll uns wieder in die Lage versetzen, in unserem Heimatmarkt profitable Marktanteile zu sichern, ein Projekt, bei dem wir auf gutem Weg sind.

Im Gegensatz zur versicherungstechnischen Rechnung hat sich das Kapitalanlageergebnis besser entwickelt als erwartet, trotz anhaltend turbulenter Zeiten auf den internationalen Kapitalmärkten. Wir haben das niedrige Zinsniveau dazu genutzt, Staatsanleihen guter Bonität zu verkaufen und die Erlöse hieraus bevorzugt in Unternehmensanleihen zu reinvestieren. Dennoch haben sich die unrealisierten Reserven in den Kapitalanlagen weiter erhöht. Positive Ergebniseffekte ergaben sich auch aus der Auflösung vorsorglich gebildeter Rückstellungen aufgrund für uns günstiger Urteile in rechtlichen Auseinandersetzungen. Dabei handelte es sich um die Frage der Doppelbesteuerung ausländischer Kapitaleinkünfte sowie um ein Kartellrechtsverfahren.

Entscheidend bei der Beurteilung der Leistungskraft des Konzerns ist der Blick auf die operative Entwicklung der Geschäftsbereiche: Hier können wir zufrieden feststellen, dass alle Bereiche der Erstversicherung Ergebnisverbesserungen erzielen konnten, und abgesehen vom deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft konnten auch alle Konzernsegmente in der Bruttoprämie zu-legen. Der Blick auf das Konzernergebnis von 520 Mio. EUR zeigt, dass die gute Diversifizierung der Gruppe unterstreicht, wie solide Talanx aufgestellt ist und wie gut sie selbst solch schadenträchtige Jahre wie das vergangene verarbeiten kann.

An der sehr guten Finanzkraft der Talanx hat sich nichts geändert. Dies belegt der Anstieg des Konzerneigenkapitals um 9 % auf 8,7 Mrd. EUR und die weitere Verbesserung unserer Solvenzquote, die etwa doppelt so hoch war wie gesetzlich gefordert. Im Januar  hat die Ratingagentur Standard & Poor’s das wichtige „Financial Strength“-Rating der Talanx-Erstversicherungsgruppe von A+ (stable) gegen den Branchentrend bestätigt, wobei die Kapitalstärke der Gruppe und die führende Wettbewerbsposition im Industriegeschäft und im deutschen Bancassurance-Geschäft hervorgehoben wurden.

Wir werten 2011 aber auch deshalb als Erfolg, weil wir erneut konsequent an der Umsetzung unserer strategischen Zielsetzungen gearbeitet haben: Bereits im ersten Jahr hat unsere neue, transparente Konzernstruktur mit gemeinsamen Zentralfunktionen in der Erstversicherung für einen deutlichen Effizienzzuwachs gesorgt: Prozesse können einfacher, schneller und effizienter erledigt werden; unsere Innovationsfähigkeit ist gewachsen.

Die Industrieversicherung konnte die ambitionierten Anforderungen erneut erfüllen: Im August schlossen wir mit dem Marktführer in Vietnam, der PVI Holdings, eine strategische Partnerschaft, um auf dem vietnamesischen Wachstumsmarkt unser anerkanntes Know-how in der Industrieversicherung einzubringen. Im zweiten Quartal wurde erstmals die niederländische Nassau konsolidiert, ein etablierter Nischenversicherer für Spezialsparten wie Berufshaftpflicht, D&O und Krisenmanagement.

Auch im internationalen Privat- und Firmenkundengeschäft konnten wir in unseren Zielmärkten zulegen: In Lateinamerika haben wir Gesellschaften in Mexiko, Argentinien und Uruguay erworben, ebenso wie in unserem Zielmarkt Mittel- und Osteuropa, dort in Polen. Dort gelangen uns in den letzten Monaten zusammen mit unserem japanischen Kooperationspartner Meiji Yasuda zwei spektakuläre Zukäufe: Mit der in der Bancassurance tätigen TU Europa und der Nummer zwei im polnischen Markt, Warta, können wir unseren Marktanteil signifikant steigern. Die aufsichtsbehördlichen Zustimmungen zum Abschluss dieser Transaktionen erwarten wir in nächster Zukunft.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich bedanken. Sie haben erneut mit hohem, engagiertem Einsatz dafür gesorgt, dass sich der Konzern auch 2011 erfolgreich weiterentwickelt hat. Mein Dank gilt aber auch unseren Kooperationspartnern und Kunden. Das Vertrauen, das Sie uns auch 2011 wieder entgegengebracht haben, möchten wir nicht nur behalten, unser Bestreben richtet sich darauf, es zu vertiefen! Dies erachten wir als unseren wichtigsten Auftrag, den wir auch in den kommenden Jahren durch eine erfolgreiche Entwicklung der Talanx erfüllen wollen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Herbert K. Haas